„DU hast mich für verrückt erklärt!“ – LAURA BASSI trotzt dem Aberglauben und kämpft um die WAHRHEIT der Physik! | Die Wissenschaftsrevolution

Im Bologna des 18. Jahrhunderts rauschte der Klang von Glocken und Pferdehufen durch enge Gassen, während hinter den schweren Türen der Universitäten die Welt des Wissens Männern vorbehalten blieb. Und doch, inmitten dieses bleiernen Schweigens, erhob sich eine Stimme – klar, unbeirrbar und gefährlich klug: Laura Maria Caterina Bassi.

1711 geboren, zeigte sie schon als Kind eine ungewöhnliche Gelehrsamkeit. Sie sprach fließend Latein, las Philosophen, während andere Mädchen noch stickten, und begann früh, sich für die Mechanik des Himmels und das Verhalten des Lichts zu interessieren. Ihre Begabung sprach sich herum; mit 21 Jahren verteidigte sie öffentlich wissenschaftliche Thesen – und erhielt als erste Frau in Europa einen Doktorgrad in Philosophie. Das Publikum war gebannt: eine Frau, die in einer Welt der Priester und Professoren von Bewegungsgesetzen sprach!

Doch der Triumph war nur der Anfang eines langen Kampfes. Die Universität ließ sie zwar lehren, aber kaum öffentlich auftreten. Stattdessen richtete Bassi ihr eigenes Labor in ihrem Haus ein – ein Ort, an dem Experimente knisterten, Glasröhren summten und junge Studenten die neue Physik Newtons entdeckten. Sie forschte über Elektrizität, Luftdruck und Lichtbrechung, und sie tat dies mit einer Präzision, die viele ihrer männlichen Kollegen in Staunen versetzte.

Aber das Gewitter über ihrem Leben ließ nie ganz nach. Die Gesellschaft verlangte von ihr, Ehefrau und Mutter zu sein – nicht Denkerin. 1738 heiratete sie den Arzt Giuseppe Veratti, der ihr zugleich Partner und wissenschaftlicher Verbündeter wurde. Gemeinsam lehrten sie ihre Schüler, während ihre Kinder im Nebenzimmer spielten. Zwischen Experimentierapparaturen und Windeln, zwischen Manuskripten und Milchflaschen führte Laura Bassi ein Leben, das in ständiger Spannung zwischen Pflicht und Berufung vibrierte.

Im Schatten der Kirchenmauern kämpfte sie gegen Aberglauben und Misstrauen. Viele sahen in ihren Forschungen eine Anmaßung – eine Frau, die die Geheimnisse des Himmels deuten wollte, war für manche fast ketzerisch. Doch Bassi blieb unbeirrt. Ihre Schriften zeugen von analytischer Schärfe und unerschütterlichem Glauben an die Vernunft.

Erst 1776, zwei Jahre vor ihrem Tod, erhielt sie endlich den offiziellen Lehrstuhl für Experimentalphysik in Bologna – ein Sieg, der zugleich zu spät kam. Laura Bassi starb 1778, erschöpft, aber ungebrochen. Sie hatte der Welt gezeigt, dass Wissen kein Geschlecht kennt. Und doch fiel ihr Name in den folgenden Jahrhunderten in Vergessenheit, während Männer die Lorbeeren der Aufklärung ernteten.

Heute, wenn Blitze über den Himmel jagen, erinnert man sich wieder an jene Frau, die das Licht der Vernunft in einer dunklen Epoche entzündete. Laura Bassi – die Wissenschaftlerin, die gegen den Donner der Vorurteile standhielt und die Physik in Bewegung setzte.